Korruptionsskandal reicht bis Montepulciano

Der Skandal um Zivilschutzchef Guido Bertolaso und Angelo Balducci, Präsident von Italiens oberstem Rat für öffentliche Bauaufträge, zieht weitere Kreise. Balducci, der in Abbadia di Montepulciano wohnt, wurde verhaftet. Insgesamt 28 Personen sind in den Sog der Ermittlungen geraten, wie die Staatsanwaltschaft von Florenz mitteilte, die zu Unregelmäßigkeiten bei Bauausschreibungen auf der Insel La Maddalena im Zuge des G8-Gipfels ermittelt.

Dabei soll es um millionenschwere Bauprojekte gehen, die nie vollendet wurden, weil der G8-Gipfel nicht auf der Insel, sondern in der vom Erdbeben zerstörten Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila stattfand. Die meisten Investitionsruinen können aus Sicherheitsgründen heute nur noch abgerissen werden.

Der Verdacht gegen Balducci und den Staatsfunktionär Mauro Della Giovampaola kam auf, als die Staatsanwälte in Florenz wegen lokaler Korruption ermittelten und dazu viele Telefonate abhören ließen. Ein betroffener Bauunternehmer sprach dabei auch über La Maddalena.

In die Diskussion gerät jetzt das immer beliebtere System unter italienischen Politikern, eilige Bauvorhaben und Veranstaltungsvorbereitungen nicht mehr auf dem normalen Wege zu planen. Um Bauprojekte in L'Aquila zügiger durchzusetzen, hatte Berlusconi Bertolaso mit Sondervollmachten ausgestattet.